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Erdkabel: Bringen sie den Stromnetz-Ausbau voran?

07.10.2016

Bild Höchstspannungs-ErdkabelDer Bau von Stromautobahnen trifft immer wieder auf Widerstand. Denn viele wollen Strom aus erneuerbaren Energien, doch kaum einer will eine Stromtrasse vor der eigenen Haustür. Erdkabel sollen die Gemüter besänftigen, doch mit ihnen werden auch die Stromautobahnen der Energiewende teurer.

Berlin/Wesel – Alle wollen Ökostrom. Aber wer verteilt ihn und sorgt für ein stabiles Netz – bei Windstille oder Sturm, bedecktem Himmel oder gleißendem Sonnenschein? Ohne die geplanten drei großen Nord-Süd-Stromautobahnen gelangt kein Windstrom von der Nord- und Ostsee nach Bayern und Baden-Württemberg. Weil Bürgerinitiativen vielfach Widerstand gegen neue Überlandleitungen angekündigt haben, sollen jetzt vorrangig Erdkabel verlegt werden – wie zum Beispiel für die westliche Stromleitung zwischen Emden und Osterath bei Düsseldorf, über die der Betreiber Amprion am Mittwoch informierte.

Deshalb braucht Deutschland den Stromnetz-Ausbau

Immer mehr grüner Strom aus Wind-, Solar- und Bioenergie drückt in die Netze. Die starken Schwankungen bei Wind und Sonne stellen die Stabilität des ganzen Energiesystems auf eine Belastungsprobe: Wenn sich etwa bei stürmischem Wetter regional Windstrom ballt, geraten die Leitungssysteme unter Druck. Windanlagen müssen gegen Kostenersatz abgeschaltet, Reservekraftwerke an anderen Stellen hochgefahren werden. Das kostet aktuell schon rund eine Milliarde Euro im Jahr, bis 2023, wenn alle Atomkraftwerke vom Netz sind, könnten sich laut Bundesnetzagentur die Kosten vervierfachen. Um die Versorgungssicherheit zu halten und Blackout-Risiken zu mindern, müssen daher dringend neue «Stromautobahnen» her.

Überlandleitungen: kein schöner Anblick

Freileitungen können je nach Ortsbebauung bis auf 400 oder sogar nur 200 Meter an Privatgrundstücken vorbeilaufen. Anwohner und Naturschützer stören sich – wie bei Windkraftanlagen – am Anblick von Mastenwäldern. Auch Ängste vor «Elektrosmog» spielen eine Rolle: Kritiker verweisen auf Studien, denen zufolge die Leitungen geladene Teilchen in die Luft abgeben und die elektrischen Felder ein Gesundheitsrisiko sind.

Erdkabel als teure Alternative

Zunächst mal: Man sieht sie nicht. Eigentümer müssen nicht fürchten, dass riesige Masten vor der Haustür den Wert ihres Grundstücks mindern. Akzeptanz ist aber kein Selbstläufer: «Ohne sehr transparente Planung ist das Vertrauen in das Erdkabel schnell weg», sagte ein Amprion-Sprecher am Mittwoch. Die Netzbetreiber sind froh, denn für Erdkabel gelten beim Leitungsbau kaum Abstandsgrenzen zur Bebauung. Das Netz kann sich stärker an der Luftlinie orientieren. Das spart Strecke.

Probleme machen gleichzeitig die ungleich höheren Kosten der Spezialkabel. Beim aktuellen Projekt liegen sie beim Drei- bis Vierfachen der Freileitungskosten. Skeptiker fürchten, dass auch Erdkabel Gesundheit und Umwelt negativ beeinflussen könnten – zum Beispiel, indem sie den Boden erwärmen. Bei einer Netzstörung dürfte die Reparatur vielfach länger dauern, weil man die defekte Stelle erst orten und dann den Boden aufreißen muss.

Zusatzkosten beim Netzausbau

Erneut die Verbraucher. Ohnehin soll die EEG-Umlage, die den Ökostrom subventioniert, laut Expertenschätzung 2017 auf fast 7 Cent je Kilowattstunde steigen. Noch liegt sie bei 6,35 Cent. Ein teurerer Netzausbau und Betrieb würde über die Netzentgelte ebenfalls bei den Stromkunden landen. Schon jetzt macht dieser Posten rund ein Viertel des Strompreises aus. Die Grünen kritisierten Erhöhungspläne der Netzbetreiber: Im schlimmsten Fall drohe Stromkunden eine «Erhöhungsorgie».

So viel kosten die Erdkabel

Laut früheren Annahmen der Bundesregierung könnten Erdkabel die Kosten um 3 bis 8 Milliarden Euro erhöhen. Andererseits: Nach vielerorts langer Blockade nimmt der Netzausbau mit Erdkabeln nun langsam Tempo auf. Tennet, 50Hertz und der Südwest-Betreiber TransnetBW stellten in der vergangenen Woche Vorschläge für etwa 1000 Meter breite Kabel-Korridore vom Norden in den Süden vor. Dabei geht es um die beiden anderen nationalen Trassen SuedLink und SuedOstLink. Die Bundesnetzagentur will die Vorschläge ab dem Frühjahr 2017 prüfen. Für die Verbindung von Emden bis Philippsburg plant Amprion bis Mitte 2017 Trassenvorschläge.

Text: dpa/pvg

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