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Strom fürs Elektroauto: Sind Brennstoffzellen die Lösung?

24.08.2016

Foto Wird das Elektroauto mit Brennstoffzelle bald die Straßen erobern?Ein Elektroauto ist zum „Auftanken“ auf eine Stromquelle angewiesen. Das kann eine Steckdose sein, aber auch eine Brennstoffzelle. In Letzterer sehen viele Experten eine vielversprechende Technik. Noch ist diese Technik aber eine absolute Rarität auf den Straßen. Wird sich das bald ändern?

München – Nach der Jungfernfahrt des ersten Atom-U-Boots 1955 forschten amerikanische und französische Autokonzerne an Fahrzeugen mit Atomantrieb und 8.000 Kilometern Reichweite – aber das erwies sich bald als Sackgasse. Ein Auto mit Brennstoffzelle erscheint manchen vielleicht noch ähnlich exotisch. Doch seit Dienstag, den 16. August, kann jeder Autofahrer schon für ein paar Euro selbst damit fahren.

Ein Münchner Konzern startet durch

„Die Leute sollen das mal ausprobieren, die Scheu verlieren“, sagt Thomas Schäfer vom Carsharing-Anbieter BeeZero. Die Firma startet in München mit nur 50 Autos – alles SUVs von Hyundai. Statt Diesel ist jedoch Wasserstoff im Tank, der von einer Brennstoffzelle in Strom umgewandelt wird und einen Elektromotor antreibt.

„Das reicht für 400 Kilometer“, sagt Schäfer. Tanken muss der Mieter nicht selbst – „aber wer Lust hat: Einfach Tankrüssel rein, Knopf drücken, und in fünf Minuten ist voll.“

BeeZero gehört dem Gase-Konzern Linde und ist eigentlich eine Werbeveranstaltung. „Wir versuchen, die Leute für eine gute Technik zu begeistern, Aufmerksamkeit zu schaffen“, erklärt Schäfer. „Der Aha-Effekt, darum geht’s uns.“ Die Mietpreise liegen auf dem Niveau anderer Anbieter.

Nur zwei Hersteller verkaufen Elektroautos mit Brennstoffzelle

BMW hat das mit DriveNow vorgemacht. Die Carsharing-Tochter von BMW und Sixt hat eine Flotte von 4.500 Autos – davon 900 batteriegetriebene BMW i3. „Indem wir Menschen mit E-Mobilität in Berührung bringen, können wir die Gesellschaft für dieses Thema sensibilisieren“, meinte Geschäftsführer Nico Gabriel kürzlich.

Dass BeeZero in München auch dem Carsharing-Anbieter Car2go ein bisschen Konkurrenz macht, sieht dessen Miteigentümer Daimler deshalb sogar positiv. „Das finde ich gut. Wir arbeiten gemeinsam daran, dass das Thema vorangetrieben wird“, sagt Daimler-Sprecherin Madeleine Herdlitschka. Mercedes will 2017 sein erstes Serienauto mit Brennstoffzelle vorstellen, den SUV GLC.

Bisher haben nur Hyundai und Toyota Elektroautos mit Wasserstoff und Brennstoffzelle im Angebot. Die Südkoreaner verkauften von ihrem 2013 eingeführten SUV für 65.000 Euro noch keine 400 Stück in Europa – „dem wichtigsten Markt“. Toyotas vergangenes Jahr gestarteter Mirai kostet 79.000 Euro und wurde in Deutschland bislang 20 Mal verkauft.

Der Ausbau ist ein teures Vorhaben

Daimler, Linde und Air Liquide sowie die Ölkonzerne Shell, Total und OMV haben zusammen die Firma H2 Mobility gegründet, die jetzt Tanksäulen für Brennstoffzellen-Autos in Deutschland aufbauen und betreiben soll. Bisher gibt es erst 20. In zwei Jahren sollen es immerhin hundert sein, in den Ballungsräumen und entlang der Autobahnen.

Wasserstoff punktet zwar bei Reichweite, Ladezeit und als grüner Speicher für überschüssigen Windstrom. Aber die Infrastruktur ist teuer. Kein Politiker, kein Lieferant werde sie allein für einen Autohersteller aufbauen, sagt Herdlitschka. Nur gemeinsam könne man Erfolg haben. „Wir müssen jetzt draufspringen, sonst ist der Zug abgefahren“, sagt Schäfer. Denn Strom für die Batterie kommt aus jeder Steckdose. Er erwartet eine Arbeitsteilung: „Für kurze Strecken in der Stadt kleine Batterieautos, die über Nacht an der Steckdose wieder aufladen. Und für mittellange Fahrten eher Wasserstoff.“

Großes Potential für Elektro-Lkw

Nach einer Studie für das Umweltbundesamt ist die Brennstoffzelle am ehesten für Lastwagen im Fernverkehr geeignet. Elektro-Lkw mit sechs Tonnen schweren Batterien oder der Aufbau von Oberleitungen auf allen Autobahnen seien keine überzeugende Alternative.

„Die Brennstoffzelle hat für Trucks und Busse großes Potenzial“, sagt Herdlitschka. „Das Spiel ist offen, wir verbauen uns da nicht den Weg.“ Auch VW und BMW halten sich alle Optionen offen.

BMW und Audi treiben Forschung voran

Der BMW-Vorstand erklärte bei der Vorstellung der neuen Konzernstrategie im März, es werde „verschiedene alternative Antriebsformen nebeneinander“ geben. Weil die Kunden deutlich mehr Reichweite erwarten, entwickelt BMW neben der Batterie auch die Brennstoffzelle weiter – zusammen mit Toyota.

Im VW-Konzern ist der Oberklasse-Hersteller Audi für die Entwicklung der Brennstoffzelle zuständig. Vom Audi h-tron concept bis zu einem Serienmodell ist es noch ein weiter Weg – aber „er zeigt die Richtung, in der wir forschen“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler im Januar auf der Automesse Detroit.

Wie überhaupt eine Brennstoffzelle funktioniert, wird im folgenden Video erklärt:

Quelle: YouTube/Clean Energy Partnership (CEP)

Text: dpa/pvg

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