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Teurer Netzausbau: Wann sinken endlich unsere Strompreise?

30.06.2016

Foto Die Strompreise sind immer noch zu hoch.Die Strompreise sind an der Börse schon lange im Fallen begriffen. Trotzdem müssen viele Verbraucher für ihren Strom weiter tief in die Tasche greifen. Das liegt unter anderem am teuren Ausbau der Netze. Fachleute raten zum Wechsel des Stromanbieters.

Berlin – Die Einkaufspreise für Strom an der Börse sind seit Jahren im Tiefflug, beim Endverbraucher kommt davon aber kaum etwas an. Viele Privatkunden müssen weiter annähernd 30 Cent pro Kilowattstunde oder knapp hundert Euro im Monat für den Strom einer vierköpfigen Familie zahlen. Das sind nach Dänemark die zweithöchsten Strompreise Europas.

Netzausbau verschlingt Milliardenkosten

Warum geht die Belastung der Haushaltskunden einfach nicht zurück, obwohl sich der Großhandels-Strompreis an den Börsen in den vergangenen Jahren mehr als halbiert hat und aktuell deutlich unter drei Cent pro Kilowattstunde liegt? Ein Grund ist der teure Ausbau der Netze, den die Energiewende mit ihren vielen neuen Stromproduzenten nötig macht. Die Bundesnetzagentur bezifferte die Kosten allein für die neuen Leitungen an Land – ohne Offshore-Netze – bisher auf 18 Milliarden Euro.

Da jetzt aus Akzeptanzgründen die deutlich teureren Erdkabel Vorrang bekommen, wird sich diese Summe noch erhöhen. Dies zahlen die Verbraucher über die Netzentgelte, die bereits mehr als ein Fünftel der Strompreise ausmachen und seit 2011 kontinuierlich steigen.

Hohe Kosten auch durch Netzstabilisierung …

Die Ausbaukosten fallen aber nur schrittweise an und werden über einen langen Zeitraum abgezahlt, betont ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Sie brächten deshalb nur leichte Anstiege für die Strompreise. Aktuell fielen die Kosten für die Systemstabilisierung viel mehr ins Gewicht als der Netzausbau: Wenn Wind- und Solarparks abgeschaltet werden müssen, weil sonst das Stromnetz in die Knie geht, werden die Besitzer dafür entschädigt – auf Kosten aller Stromkunden. 2015 waren das allein rund eine Milliarde Euro.

… und EEG-Umlage

Eine schwere Last für die Strompreise bleibt auch die EEG-Umlage von aktuell 6,35 Cent pro Kilowattstunde für die Vergütung der Erneuerbaren-Anlagen. Hier erwarten Fachleute wie der Chef des Energie-Beratungsunternehmens Agora Energiewende, Patrick Graichen, im nächsten Jahr noch einen Anstieg auf um die sieben Cent pro Kilowattstunde. Dies werde aber möglicherweise durch ein weiteres Fallen des Börsenstrompreises ausgeglichen, sagt Graichen.

Tipp: Stromanbieter wechseln und bares Geld sparen

Ein schlichter Grund für hohe Strompreise liegt bei den Versorgern: Sie geben ihre Vorteile im Stromeinkauf vielfach nur an Kunden weiter, deren Tarife im Wettbewerb stehen. Die sogenannten Grundversorgungskunden, die niemals Tarif oder Anbieter gewechselt haben, zahlen dagegen deutlich mehr. Fast ein Drittel der Stromkunden haben nach den jüngsten Zahlen der Bundesnetzagentur noch solche Verträge. Mit einem Wechsel lassen sich teils hunderte Euro sparen.

„Die Preise im Einkauf für die Energieversorger sind seit drei Jahren eingebrochen und sinken immer mehr. Das muss endlich bei den Kunden ankommen“, fordert die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn.

Wie sich unsere Strompreise zusammensetzen, erklärt das folgende Video:

Quelle: YouTube/Stadtwerke München

Text: dpa/pvg

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