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Eon und RWE: Stehen die Stromversorger am Abgrund?

16.08.2016

Foto Wie geht es weiter mit Eon und EnBW?Die beiden Stromversorger Eon und RWE haben weiterhin mit den Umwälzungen durch die Energiewende zu kämpfen. Als Heilmittel soll ihnen jeweils eine Radikalkur in Form einer Aufspaltung dienen. Kann das die Wende einleiten? Ein Überblick mit Fragen und Antworten.

Essen – Ökostrom und mehr Service als Hoffnungsträger, Kohle- und Atomkraft als Bremsklötze – Deutschlands größte Versorger RWE und Eon kämpfen mit dem Spagat zwischen neuer und alter Energiewelt. Kurz vor der Aufspaltung mit Börsengängen bleibt die Situation für die Konzerne, ihre Beschäftigten und Kunden kompliziert. Es gibt einige Lichtblicke, doch ebenso etliche Fragezeichen. Ein Überblick:

Wie angespannt ist die Lage bei den deutschen Stromriesen?

Auch knapp fünfeinhalb Jahre nach dem Fukushima-Schock hadern die Branchengrößen mit dem Übergang von konventionellen zu erneuerbaren Energien. RWE meldete am Donnerstag für die erste Hälfte 2016 noch einen Nettogewinn von 457 Millionen Euro. Vor einem Jahr lag er über drei Mal so hoch, damals hatte der Verkauf der Öl- und Gastochter Dea einen Sondereffekt. Die Kraftwerke erholten sich etwas, doch spielte das Sparprogramm eine Rolle. Eon hatte am Mittwoch von Abschreibungen berichtet, die zu rund drei Milliarden Euro Halbjahresverlust führten.

Insgesamt bleibt die Entwicklung äußerst kritisch. Denn immer mehr Ökostrom drückt in die Netze, und das Überangebot an Elektrizität lässt die Großhandelspreise verfallen. Weil Lieferverträge auf Jahre im Voraus abgeschlossen werden, verdienen die Konzerne mit den Kohle- und Gasmeilern immer weniger – das Börsenstrompreis-Tief frisst einst sichere Erträge auf. Vattenfall trennt sich von der Braunkohlesparte. Das „neue“ Ökostrom-Kerngeschäft läuft auch bei Eon aber schon gut.

Was tun RWE und Eon gegen die anhaltende Talfahrt?

Sie treten mit einem – aus Sicht von Kritikern längst überfälligen – Radikalumbau die Flucht nach vorn an. Während Eon Ökoenergien, das Netzgeschäft sowie Kundenlösungen im Hauptkonzern behält und die Kraftwerke in der Tochter Uniper an die Börse bringt, macht es RWE umgekehrt: Großkraftwerke und Handel bleiben in der „alten“ RWE; die Erneuerbaren, Netze und Vertrieb kommen in den Ableger Innogy. Dafür ziehen die Essener eine Kapitalerhöhung durch, die Innogy noch 2016 aufs Börsenparkett bringen soll. RWE-Chef Peter Terium sieht das Projekt auf gutem Weg: Die „legale Reorganisation“ sei abgeschlossen.

Hat das Folgen für die Strompreise?

Die großen Versorger hatten zum Jahreswechsel angedeutet, die Tarife in der Grundversorgung nicht anzuheben. Fest steht: Die EEG-Umlage, über die Stromkunden die Energiewende mitfinanzieren, dürfte weiter steigen – nach Berechnungen der Berliner Denkfabrik Agora für 2017 von 6,35 auf 7,1 bis 7,3 Cent je Kilowattstunde. Dies ergibt sich dadurch, dass die Börsenstrompreise sinken, während Erzeuger von Ökostrom für das Einspeisen ins Netz feste Vergütungen bekommen.

Welche Konsequenzen haben die Umbaupläne für die Arbeitsplätze?

Die Aufspaltung und der Kostendruck bringen einen erheblichen Jobabbau mit sich. RWE beschäftigte Ende Juni noch 59.283 Mitarbeiter – in Vollzeitstellen 479 weniger als Ende 2015. Der Konzern erklärt: „Rationalisierungsmaßnahmen spielten dabei eine zentrale Rolle, insbesondere im Unternehmensbereich konventionelle Stromerzeugung.“

Die Tarifverhandlungen sind schwierig. In den nächsten Jahren will RWE 1.600 Stellen im Rheinland – vor allem im Braunkohle-Geschäft – und insgesamt 2.300 Stellen inklusive Jobs in den Niederlanden und Großbritannien streichen. Der Karlsruher Rivale EnBW zieht sich ganz aus dem Großkundengeschäft mit Strom und Gas zurück, mindestens 400 Stellen fallen weg. Auch Vattenfall kündigte schon Kürzungen an.

Wie hängt das alles mit der Energiepolitik zusammen?

Die umstrittene Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sieht einen gedeckelten Ökostromausbau und Ausschreibungen statt pauschaler Förderung vor – so will man den Kostenanstieg bei gleichzeitigem Überangebot im Netz dämpfen. Kohle und Gas bleiben wichtig, solange Wind-, Solar- und Biostrom wegen seiner Schwankungen ergänzt werden muss. Bei RWE legte die Stromerzeugung zum Halbjahr um fünf Prozent zu.

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, gibt der Politik eine Mitschuld am hohen Preisniveau für die Endkunden: Lasse man alte Meiler am Netz, könne das Überangebot eben auch nicht sinken. „Nicht die EEG-Umlage und die erneuerbaren Energien sind die Kostentreiber, sondern die vermurksten Rahmenbedingungen“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“.

Kann den Versorgern die Wende noch gelingen?

Entscheidend ist, ob ihnen die Altlasten aus dem Atomzeitalter sowie die wegbrechenden Kohle- und Gasgewinne genug Luft zum Atmen lassen. Die Eon-Tochter Uniper steht offiziell mit einem viel höheren Wert in den Büchern, als Experten ihn einschätzen. Neues Kapital will Finanzchef Michael Sen vor allem in den Atomerbe-Staatsfonds stecken.

Im konventionellen Geschäft werden Investitionen heruntergefahren, RWE drückte sie zuletzt um über die Hälfte. Die Ratingagentur Moody’s hatte die Essener im Mai abgestuft – mit Verweis auf Unsicherheiten im Atomausstieg und die ungewisse Zukunft der Kohle: Auch der Umbau werde „das Risikoprofil der Gruppe nicht grundsätzlich verändern“.

Weitere Informationen zum Thema gibt es hier:

Quelle: YouTube/DER AKTIONÄR TV

Text: dpa/pvg

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