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Vattenfall in Bedrängnis: Kohlegegner blockieren Kraftwerk

17.05.2016

Foto Kohlegegner blockieren einen Braunkohle-Tagebau von VattenfallUmweltaktivisten bieten dem Energieriesen Vattenfall die Stirn. Einen Tag lang blockierten sie ein Braunkohlekraftwerk und bestimmen selbst den Zeitpunkt, wann der Spuk vorbei ist. Politiker sind irritiert. Die Stromversorgung hält – dank Ökostrom.

Welzow – Ein Erfolg der Braunkohlegegner ist zu Pfingsten viele Kilometer weit zu sehen. Nur aus einem der beiden Kühltürme des Braunkohle-Kraftwerks Schwarze Pumpe steigt am Sonntag (15. Mai) noch Dampf in den Himmel der Lausitz auf. 24 Stunden lang schneiden Aktivisten des Protestbündnisses „Ende Gelände“ dem Kraftwerk den Kohlenachschub ab. Erst am Sonntagnachmittag räumen sie die Gleise für die Kohlezüge und geben den Tagebau wieder frei, den sie besetzt gehalten haben. Ein ganzes Wochenende lang tanzen tausende Aktivisten in weißen Anzügen dem Energiegiganten Vattenfall auf der Nase herum.

Empörung bei Vattenfall

Was die Kohlegegner als riesigen Erfolg feiern, wertet Vattenfall als Nötigung und Gewaltakt. „Das war ein Eingriff in die deutsche Energieversorgung“, sagt Konzernsprecher Thoralf Schirmer. Ein Zwischenfall am Samstagabend, als Hunderte Aktivisten Teile des Zauns des Kraftwerks niederreißen, zeigt laut Vattenfall, dass das Bündnis radikale Aktivisten angelockt und die „Büchse der Pandora“ geöffnet habe. Das Bündnis betont, es habe keine Gewalt gegen Menschen gegeben. Die Polizei nimmt rund 130 Aktivisten fest.

„Die Büchse, die wir geöffnet haben, ist die Debatte über Kohle“, hält „Ende Gelände“-Sprecherin Hannah Eichberger dem entgegen. Die Lausitz ist zu Pfingsten einer von mehreren Schauplätzen der weltweiten Aktionsreihe „#breakfree2016“. Auch in Brasilien, in Großbritannien, Australien und der Türkei blockieren Initiativen die Kohleindustrie. „Diese Bewegung wird den Kohleausstieg durchsetzen“, sagt die „Ende Gelände“-Sprecherin siegessicher.

Stromversorgung in Gefahr?

Bei der Brandenburger Landesregierung ist man weniger begeistert. Wirtschaftsminister Albrecht Gerber spricht von „illegalen Aktionen in Form einer anmaßenden Form von Selbstjustiz“. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) wirft den Besetzern vor, den Strom für viele tausend Menschen gefährdet zu haben.

Auch in der Region stößt die Aktion bei vielen Menschen nicht auf Gegenliebe, zu viele Existenzen hängen an der Kohle. Am Samstagabend formiert sich eine spontane Gegendemonstration mit laut Polizei bis zu 2.000 Demonstranten. Man lebe von der Braunkohle, es gebe hier doch nichts anderes, sagt eine Anwohnerin.

Ökostrom hilft aus

Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter sieht in den Sorgen der Region und den Sorgen der Klimaschützer keinen Widerspruch. Sie fordert einen Ausstiegsplan, der die Menschen in der Braunkohleregion im Blick hat. „Wir wollen den Kohleausstieg so organisieren, dass die Arbeitnehmer hier in einem verantwortlichen Strukturwandel mitgenommen werden. Bis spätestens 2035, 2040 muss der Kohleausstieg organisiert sein, aber er muss erst einmal eingeleitet werden.“

Ausgerechnet die erneuerbaren Energien erwiesen sich am Wochenende des Protests als Helfer in der Not. „Es war nur ein Glücksfall, dass Wind und Sonne die fehlende Kapazität des Kraftwerks Schwarze Pumpe aufgefangen haben“, sagte Konzernsprecher Schirmer mit Blick auf Solar- und Windkraftanlagen, die zu Pfingsten einsprangen. „Wenn es windstill gewesen wäre, hätte die Situation kritisch werden können.“

Weitere Informationen zum Thema liefert das folgende Video:

Quelle: YouTube/afpde

Text: dpa/pvg
Bild: dpa

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