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Gasmarkt setzt Strompreise weiter unter Druck

Ein Smartphone wird in den Händen gehalten, auf dem ein Kursverlauf angezeigt wird, während im Hintergrund ein Computerbildschirm mit weiteren Finanz- oder Energiediagrammen zu sehen ist.

Der Strommarkt in Deutschland steht Ende April 2026 wieder stärker unter Beobachtung. Der Grund ist nicht nur der Strompreis selbst, sondern vor allem der Gasmarkt: Wenn Gas teurer wird, kann das auch die Strompreise beeinflussen, weil Gaskraftwerke an der Strombörse in bestimmten Stunden den Preis setzen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Europas Gasmarkt bleibt ein wichtiger Risikofaktor für die Strompreise, weil Gas an der Börse häufig den Strompreis mitprägt.
  • Strom-Neukundentarife sind weiterhin oft günstiger als Bestands- oder Grundversorgungstarife.
  • Die EU will Strom über Netzentgelte, Steuern und bessere Speicherkoordination entlasten.
  • Verbraucher sollten jetzt Stromtarif, Arbeitspreis, Grundpreis und Preisgarantie prüfen.

Strompreise bleiben abhängig vom Gasmarkt

Am europäischen Gasmarkt lag der TTF-Preis am 28. April 2026 bei rund 45 Euro je Megawattstunde und damit deutlich über dem Vorjahresniveau, auch wenn der Preis im Monatsvergleich gesunken ist. Für Verbraucher bedeutet das: Die akute Versorgungslage ist nicht automatisch kritisch, aber die Preisrisiken bleiben hoch.

Besonders relevant ist das für Haushalte, deren Stromvertrag bald ausläuft oder die noch in der Grundversorgung sind. Denn steigende Großhandelspreise kommen nicht sofort eins zu eins bei Haushalten an, können aber zeitverzögert neue Stromtarife, Preisgarantien und Abschläge beeinflussen.

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Warum Gas auch für Stromkunden wichtig bleibt

Gas spielt im deutschen Stromsystem zwar eine geringere Rolle als erneuerbare Energien, beeinflusst aber dennoch den Strompreis, insbesondere in Zeiten mit wenig Wind- und Solarstrom. Dann springen Gaskraftwerke zur Deckung der Nachfrage ein und sind aufgrund des Merit-Order-Prinzips preisbestimmend. Gleichzeitig sind laut aktuellen Berichten die Energieeinkäufe stark gestiegen (Gas zeitweise +75 %, Strom +35 %) und auch günstige Neukundentarife verteuerten sich seit Beginn des Konflikts im Schnitt um etwa 16 %. Dennoch lohnt sich ein Strompreisvergleich weiterhin, da die Preise je nach Tarif deutlich variieren: beispielsweise rund 24,9 Cent/kWh für Neukunden gegenüber 32,8 Cent für Bestandskunden und 42,83 Cent in der Grundversorgung. Deshalb können viele Haushalte durch einen Wechsel, idealerweise zu einem Tarif mit Preisgarantie, ihre Stromkosten senken oder zumindest besser planbar machen.

Hinweis:

Prüfen Sie beim Stromanbieterwechsel nicht nur den Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Ein günstiger Stromtarif ist nur dann attraktiv, wenn auch Grundpreis, Preisgarantie, Vertragslaufzeit und Bonusbedingungen zusammenpassen.

LNG-Risiko und Nahost-Konflikt halten Preise volatil

Die Unsicherheit am Gasmarkt hängt stark mit LNG zusammen, das für Europa seit dem Rückgang russischer Lieferungen wichtiger geworden ist. Da der Markt global ist, konkurriert Europa mit Asien bei knappen Mengen.

Laut European Gas Hub bremsen Störungen im Nahen Osten die Speicherbefüllung; rund 15 % des weltweiten LNG-Angebots sind betroffen. Auch die EU-Kommission nennt geopolitische Risiken wie die Straße von Hormus und beschädigte Infrastruktur als Ursachen für die weiterhin schwankenden Energiepreise. Für Haushalte bedeutet das: Günstige Strompreise können sich schnell ändern, daher sollten Verbraucher auf Preisgarantien achten.

EU plant Entlastung bei Stromkosten

Die EU-Kommission reagiert auf die angespannte Lage mit einem Maßnahmenpaket und plant für Mai 2026 Vorschläge zu Netzentgelten und Steuern, um Strom günstiger zu machen und gegenüber Gas zu entlasten. Dazu zählen eine effizientere Netznutzung, gezielte Entlastungen und mögliche Steuersenkungen sowie eine koordinierte Befüllung der Gasspeicher, um Preisspitzen zu vermeiden. Für Verbraucher sind diese Maßnahmen jedoch kurzfristig kaum spürbar – oft bringt ein Tarifwechsel schneller Einsparungen.

Hinweis:

Politische Entlastungen bei Stromsteuer oder Netzentgelten können helfen, ersetzen aber keinen Tarifcheck. Wer in der Grundversorgung ist oder seit Jahren nicht gewechselt hat, sollte den aktuellen Strompreis mit neuen Stromtarifen vergleichen.

Stromtarif oder Gastarif wechseln?

Auch wenn der Fokus auf Strom liegt, bleibt Gas für viele Haushalte wichtig, vor allem mit Gasheizung, da steigende Preise die Heizkosten direkt erhöhen und auch den Strommarkt beeinflussen können. Der BDEW nennt für 2026 durchschnittlich 11,10 ct/kWh im Einfamilienhaus und 10,87 ct/kWh im Mehrfamilienhaus. Seit April steigen die Kosten für Beschaffung und Vertrieb wieder spürbar.

Für Haushalte empfiehlt sich: zuerst den Stromtarif prüfen, dann den Gastarif. Wichtig sind dabei Preisgarantie, Arbeitspreis und der Unterschied zur Grundversorgung.

Stromtarif oder Gastarif wechseln?

Situation Risiko Handlung Worauf achten
Strom in der Grundversorgung Häufig deutlich höherer Strompreis als bei Neukundentarifen Strompreisvergleich nutzen und passende Stromtarife prüfen Arbeitspreis, Grundpreis, Preisgarantie, Vertragslaufzeit
Alter Stromvertrag ohne aktuellen Check Mögliche Mehrkosten gegenüber neuen Tarifen Stromanbieter vergleichen und Wechselersparnis berechnen Kündigungsfrist, Bonusbedingungen, Preisgarantie
Preiserhöhung beim Stromanbieter Abschlag und Jahreskosten können steigen Sonderkündigungsrecht prüfen und neuen Tarif suchen Frist für Sonderkündigung, neuer Lieferbeginn
Gasheizung mit teurem Gastarif Heizkosten können bei weiter steigenden Gaspreisen zulegen Gaspreisvergleich nutzen und Gastarif prüfen Preisgarantie, Arbeitspreis, Grundpreis, Verbrauch in kWh
Preisgarantie läuft bald aus Neuer Preis kann deutlich höher ausfallen Frühzeitig Stromanbieter oder Gasanbieter vergleichen Ende der Preisgarantie, Anschlussvertrag, Laufzeit
Umzug oder neuer Haushalt Automatische Grundversorgung kann teuer sein Vor Einzug Stromtarif und Gastarif abschließen Zählernummer, MaLo-ID, Lieferbeginn

Welche EU-Maßnahmen könnten Verbraucher entlasten?

Die EU-Kommission setzt nicht nur auf kurzfristige Entlastung, sondern auch auf strukturelle Maßnahmen. Dazu gehören schnellere Genehmigungen für erneuerbare Energien, mehr Speicher, bessere Stromnetze und eine stärkere Elektrifizierung von Wärme und Verkehr.

Langfristig kann das den Strommarkt stabilisieren, weil mehr erneuerbare Energien und Speicher die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Kurzfristig bleiben Stromtarife aber weiterhin abhängig von Marktpreisen, Anbieterstrategie und Vertragsbedingungen.

EU-Maßnahmen und mögliche Wirkung

Maßnahme Ziel Betrifft Verbraucher wann? Unsicherheit
Vorschlag zu Netzentgelten und Besteuerung Stromrechnungen senken und Strom gegenüber Gas entlasten Frühestens nach politischer Umsetzung und nationaler Anwendung EU-Vorschlag braucht politische Zustimmung und Umsetzung
Koordinierte Gasspeicherbefüllung Preisspitzen durch gleichzeitige Gaskäufe vermeiden Indirekt über stabilere Gas- und Strommärkte Wirkung hängt von LNG-Angebot und Marktlage ab
Stromsteuer-Entlastung für bestimmte Nutzergruppen Vulnerable Haushalte und energieintensive Verbraucher schützen Nur bei nationaler Umsetzung spürbar Umfang und Zielgruppen noch offen
Schnellere Genehmigungen für erneuerbare Energien Mehr heimische Stromerzeugung ermöglichen Mittelfristig über mehr Angebot am Strommarkt Netzausbau und Speicher müssen mithalten
Ausbau von Stromnetzen und Speichern Erneuerbare Energien besser integrieren und Preisschwankungen dämpfen Mittelfristig bis langfristig Hoher Investitionsbedarf und regionale Netzengpässe
Einfacherer Anbieterwechsel und Verbraucherinformation Haushalte schneller in günstigere Stromtarife bringen Kurzfristig, wenn Prozesse vereinfacht werden Tarifwahl bleibt abhängig von Verbrauch und Vertragsbedingungen

Was Verbraucher jetzt tun sollten

Ein Tarifcheck lohnt sich aktuell für Stromkunden besonders: Wer noch in der Grundversorgung ist, sollte nach günstigeren Angeboten mit Preisgarantie suchen und bestehende Verträge auf Laufzeit und Preisänderungen prüfen. Entscheidend beim Vergleich sind Arbeitspreis, Grundpreis und Preisgarantie, da sie die tatsächlichen Kosten bestimmen. Zusätzlich hilft Stromsparen direkt, die Rechnung zu senken. Haushalte mit Gasheizung sollten auch ihren Gastarif prüfen, da steigende Gaspreise sowohl Heizkosten als auch den Strommarkt beeinflussen können.

Quellen: tradingeconomics.com | tagesschau.de | europeangashub.com | Europäische Union | BDEW