strom.preisvergleich.de

Strommix in Deutschland

Inhalt

Der Strommix in Deutschland beschreibt, aus welchen Energiequellen unser Strom an der Steckdose stammt. Aktuell verändert er sich schneller als je zuvor. In den ersten vier Monaten 2026 erzeugten deutsche Kraftwerke insgesamt 177 Milliarden Kilowattstunden Strom. Über 57 Prozent davon kamen aus erneuerbaren Quellen – Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft. Das Donut-Chart zeigt die aktuelle Verteilung auf einen Blick.

Der deutsche Strommix 2026: Erneuerbare auf Rekordniveau

In den ersten vier Monaten 2026 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung bei 57,5 Prozent – rund drei Prozentpunkte mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2025 hatte der Anteil bei 55,9 Prozent gelegen, 2024 wurde mit 63 Prozent sogar ein Jahresrekord aufgestellt. Die wichtigsten Treiber: Die Windstromerzeugung stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 31 Prozent, wobei Offshore-Anlagen mit einem Plus von rund 50 Prozent besonders stark zulegen konnten. Die Solarstromerzeugung übertraf das Niveau des Vorjahreszeitraums um rund 9 Prozent.

Energieträger 2021 (Q1) 2025 (Gesamtjahr) 2026 (Jan–Apr)
Windkraft 25,6 % ~32 % 32,6 %
Solarenergie 5,4 % ~17 % 13,4 %
Biomasse 8,7 % ~8 % 7,8 %
Wasserkraft 2,8 % ~3 % 2,8 %
Erneuerbare gesamt 42,5 % ~62 % 57,5 %
Braunkohle 18,8 % ~10 % 15,1 %
Erdgas 16,1 % ~13 % 16,3 %
Steinkohle 9,3 % ~5 % 8,0 %
Kernenergie 12,5 % 0 % 0 %

Warum ist der Strommix 2026 so grün wie nie? Drei Faktoren wirken zusammen: Massiver Ausbau der Offshore-Windkraft (+50 Prozent gegenüber Vorjahr), anhaltender PV-Boom durch Balkonkraftwerke und Freiflächen-Solarparks und das endgültige Ende der Kernenergie. Alle drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke wurden 2023 abgeschaltet. Kohle verliert kontinuierlich Marktanteile. Das Ziel: 80 Prozent erneuerbare Energien im Strommix bis 2030. Was sich im Strommix als Prozentanteil zeigt, hat einen konkreten Ursprung: jahrzehntelangen, massiven Kapazitätsaufbau. Das Diagramm macht das sichtbar. Das Liniendiagramm visualisiert die installierte Netto-Leistung aller wichtigen Energiequellen in Deutschland von 2002 bis 2026, gemessen in Megawatt (MW).

Das Diagramm zeigt eine der bemerkenswertesten Entwicklungen der deutschen Energiewende: Die installierte Solarleistung hat die Windkraft an Land inzwischen überholt und liegt 2026 bei über 113.000 Megawatt. Windkraft onshore folgt mit knapp 70.000 MW. Wasserkraft und Biomasse bleiben stabile, aber kaum wachsende Säulen im Erneuerbaren-Portfolio. Im Jahr 2002 war die installierte Solarleistung in Deutschland praktisch nicht messbar. Windkraft onshore existierte zwar, spielte aber mit rund 12.000 Megawatt eine Nebenrolle. Heute – Stand 2026 – hat sich das Bild fundamental gewandelt. Hinzu kommen 10.600 Megawatt aus Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee – eine Technologie, die es 2002 in Deutschland noch gar nicht gab.

Besonders auffällig: Die Solar-Kurve zeigt ab etwa 2020 eine nahezu senkrechte Steigung. Haupttreiber sind einerseits großflächige Freiflächenanlagen, andererseits die rasant wachsende Zahl privater Photovoltaikanlagen und Balkonkraftwerke. Wasserkraft und Biomasse bleiben dagegen stabile, aber kaum ausbaubare Konstanten – ihr Beitrag ist verlässlich, ihr Wachstumspotenzial in Deutschland jedoch begrenzt.

Wichtig zu verstehen:

Installierte Leistung ≠ erzeugte Strommenge. Eine Solaranlage mit 113.000 MW Kapazität produziert nachts und im Winter deutlich weniger als ihr Maximum. Deshalb bleibt Windkraft beim tatsächlich erzeugten Strom weiterhin die Nummer 1 im deutschen Strommix.

Fossile vs. Erneuerbare: Die fünf wichtigsten Energiequellen

Der Strommix ist kein starres Konstrukt – er schwankt je nach Tageszeit, Wetterlage und Jahreszeit. Was ihn 2026 besonders prägt:

  1. Windkraft

    Windkraft ist die mit Abstand wichtigste Einzelquelle im deutschen Strommix. Onshore-Parks prägen das Binnenland, die wachsenden Offshore-Anlagen in Nord- und Ostsee liefern zuverlässig auch nachts und im Winter.

  2. Solarenergie

    Die Photovoltaik hat 2025 die Braunkohle bei der öffentlichen Nettostromerzeugung überholt und belegt nun dauerhaft Rang 2 im Sommer-Strommix. Treiber sind Großanlagen auf Freiflächen, aber auch die rasant wachsende Zahl privater Balkonkraftwerke.

  3. Biomasse

    Biomasse liefert als einzige erneuerbare Quelle grundlastfähigen Strom – unabhängig von Wetter und Tageszeit. Ihr Anteil bleibt stabil, wird aber durch Wind und Solar zunehmend in den Hintergrund gedrängt.

  4. Erdgas

    Gaskraftwerke können binnen Minuten hoch- und runtergefahren werden. Der Strompreis ist über die Merit-Order an den Gaspreis gekoppelt – ein wichtiger Faktor für die Preisentwicklung an der Strombörse.

  5. Braunkohle

    Die Stromerzeugung aus Braunkohle ging von Januar bis April 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 8 Prozent zurück. Der gesetzlich beschlossene Kohleausstieg beschleunigt diesen Trend.

Wussten Sie? Auch wenn Sie keinen speziellen Ökostromtarif haben, stammen bereits über 57 Prozent Ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen – so grün war der deutsche Strommix noch nie.

Mit einem Ökostromtarif sichern Sie zu, dass für Ihren persönlichen Verbrauch zusätzlicher Ökostrom ins Netz eingespeist wird.

Strommix vs. Ökostrom: Was ist eigentlich der Unterschied?

Viele Verbraucher fragen sich: Wenn im Netz ohnehin über 57 Prozent erneuerbare Energien fließen – wozu dann noch ein Ökostromtarif? Das Stromsee-Modell erklärt es: Stellen Sie sich das Stromnetz wie einen großen See vor. Alle Erzeuger – Windparks, Solaranlagen, Gaskraftwerke, Kohlekraftwerke – speisen ihr Wasser in diesen See ein. Sie entnehmen daraus Ihren Strom. Physisch kommt bei Ihnen immer der gleiche Mix an. Ein Ökostromtarif ändert das nicht direkt, aber er stellt sicher, dass für jede Kilowattstunde, die Sie verbrauchen, eine entsprechende Menge Ökostrom über sogenannte Herkunftsnachweise (HKN) in den See nachgespeist wird. Jeder Ökostromkunde erhöht damit den Anteil sauberer Energiequellen im gesamten Strommix und leistet einen messbaren Beitrag zur Energiewende.

Die Kostenfrage: Hat der Strommix Einfluss auf meinen Strompreis?

Ja, und der Zusammenhang ist direkter, als viele denken. An der Strombörse gilt das Prinzip der Merit-Order: Das teuerste Kraftwerk, das gerade noch gebraucht wird, um die Nachfrage zu decken, bestimmt den Marktpreis für alle. Das sind oft Gaskraftwerke. An Tagen mit sehr viel Wind und Sonne sinkt der Börsenstrompreis deshalb spürbar, weil Erneuerbare nahezu keine variablen Kosten haben und Gaskraftwerke verdrängen.

Eine Infografik die die Merit-Order-Kurve erkläart

Fazit: Der Strommix 2026 – eine Energiewende in Zahlen

Der deutsche Strommix 2026 ist das Ergebnis von mehr als zwei Jahrzehnten konsequentem Umbau: weg von Kohle und Kernenergie, hin zu Wind, Sonne und intelligenter Netzsteuerung. Über 57 Prozent des erzeugten Stroms stammen heute aus erneuerbaren Quellen – ein Wert, der 2002 noch undenkbar gewesen wäre. Windkraft bildet das Rückgrat, Solarenergie holt mit beeindruckender Dynamik auf, und Biomasse sorgt als stille Reserve für Stabilität.

Noch sind Erdgas und Braunkohle Teil des Mixes – als Puffer für wetterbedingte Schwankungen und als Brücke in eine vollständig erneuerbare Versorgung. Doch ihr Anteil sinkt, Quartal für Quartal. Das Ziel der Bundesregierung – 80 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 – ist angesichts der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit realistischer denn je.

Was bedeutet das für Sie als Verbraucher? Der Strom aus Ihrer Steckdose ist heute so grün wie nie zuvor. Wer mit einem zertifizierten Ökostromtarif noch einen Schritt weitergeht, unterstützt aktiv den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien – und sichert sich oft gleichzeitig günstige Konditionen durch den Wettbewerb der Anbieter.

Fragen und Antworten zum deutschen Strommix

Silvia Lehrack

Silvia Lehrack


Als Expertin für Energievergleiche beleuchtet Silvia aktuelle Trends rund um Strom, Gas und Energiekosten – praxisnah, verständlich und immer am Puls der Zeit.