21.01.2026

2025 hat im deutschen Energiesystem einen spürbaren Wendepunkt gebracht: Solarenergie hat einen neuen Stellenwert erreicht und zusammen mit Windenergie den Wandel im Strommarkt beschleunigt. Das wirkt sich auch auf die Strompreise aus. In sonnenreichen Phasen – besonders im Frühjahr und Sommer – kann sich der Börsenstrompreis (Preis an der Strombörse) zunehmend vom Gaspreis lösen. Wichtig dabei: Solche Effekte zeigen sich vor allem in bestimmten Wetter- und Erzeugungslagen, nicht aber permanent. Für Haushalte bedeutet das langfristig: Wer seine Stromkosten aktiv prüft und Tarife regelmäßig vergleicht, kann schneller von Preisbewegungen profitieren.
Die Solarenergie hat 2025 neue Spitzenwerte ermöglicht: Es gab Tage, an denen sehr viel Solarstrom gleichzeitig ins Netz eingespeist wurde. Dadurch verändert sich der Strommarkt spürbar, weil Solarstrom in diesen Stunden teurere Kraftwerke (häufig Gas) oft aus der Preisbildung verdrängt.
Das bedeutet nicht, dass Deutschland dauerhaft „nur mit Solar“ läuft. Es gab aber Phasen, in denen Solarstrom den Bedarf nahezu decken konnte. Ein klares Zeichen dafür, wie stark PV-Anlagen (Photovoltaik-Anlagen) inzwischen zur Stromversorgung beitragen.
Die installierte Solarleistung ist bis 2026 auf über 107 Gigawatt angestiegen und hat sich damit seit 2019 mehr als verdoppelt. Solarstrom ist inzwischen die leistungsstärkste einzelne Energiequelle im deutschen Stromsystem. Auch die Onshore-Windenergie wächst weiter stabil und erreicht 2026 rund 68 Gigawatt, womit sie eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit übernimmt. Die Offshore-Windenergie wurde ebenfalls kontinuierlich ausgebaut und liegt 2026 bei knapp 10 Gigawatt.
Der Börsenstrompreis wurde lange stark von Gaskraftwerken beeinflusst, weil diese in vielen Stunden den letzten benötigten Strom lieferten und damit den Preis setzten. Mit mehr Solarenergie passiert das zunehmend seltener: Wenn sehr viel Solarstrom verfügbar ist, wird Gas nicht mehr automatisch preisbestimmend. Dadurch kann sich der Strompreis in sonnenreichen Phasen vom Gaspreis lösen und niedriger ausfallen, obwohl Gas parallel teuer sein kann. Diese Entwicklung zeigt sich vor allem in sonnenreichen Sommerphasen und dürfte mit weiterem Ausbau von Solarenergie und Flexibilität häufiger werden.
Gleichzeitig steigt jedoch der CO₂-Preis weiter an – mit Auswirkungen auf die Stromerzeugung aus fossilen Kraftwerken. Seit Anfang 2025 liegt der CO₂-Preis für Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas bei 55 Euro pro Tonne. Für 2026 ist ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne festgelegt. Für Haushalte, die mit Erdgas oder Heizöl heizen, bedeutet das steigende Kosten, denn die CO₂-Abgabe kann bei Erdgas um bis zu 1,55 Cent pro Kilowattstunde und bei Heizöl um bis zu 20,7 Cent pro Liter steigen – jeweils inklusive Mehrwertsteuer. Langfristig verteuert das auch die Stromerzeugung aus fossilen Kraftwerken und verstärkt den Trend hin zu erneuerbaren Energien. Ein wichtiger Schritt für die Energiewende in Deutschland.
Früher gab es mittags oft Preisspitzen, weil Nachfrage und Preisniveau hoch waren. Durch den Ausbau der Solarenergie verschiebt sich dieses Muster: Mittags kommt heute häufig besonders viel Solarstrom ins Netz. Das kann dazu führen, dass Strom genau dann günstiger ist, wenn die Sonne am stärksten scheint. Das gilt besonders im Frühling und Sommer, wenn die Erzeugung aus Photovoltaik-Anlagen hoch ist. Für Verbraucher ist das interessant, weil sich bestimmte Verbräuche zeitlich verschieben lassen und dadurch die Stromkosten sinken können. Genau davon können dynamische Stromtarife profitieren. Sie orientieren sich am Börsenstrompreis und bilden günstige Stunden, zum Beispiel mittags bei hoher Solarproduktion, häufig stärker ab. Wer seinen Verbrauch zeitlich verschieben kann, hat dadurch eher die Chance, Stromkosten zu senken.
Börsenpreise reagieren schnell, Haushaltsverträge meist nicht. Viele Tarife laufen über längere Zeit, und Preisänderungen werden häufig verzögert weitergegeben. Außerdem wechseln viele Haushalte ihren Anbieter nur selten. Deshalb kann es sein, dass sich Strompreise an der Börse verändern, die eigenen Stromkosten aber erst später davon beeinflusst werden. Zusätzlich ist wichtig: Börsenpreise können sich von Jahr zu Jahr anders entwickeln als Endkundenpreise. Selbst wenn Börsenwerte zeitweise steigen oder schwanken, können Neukundenangebote oder Haushaltsstrompreise wegen Verzögerungseffekten, Wettbewerb und politischen Rahmenbedingungen trotzdem sinken oder langsamer reagieren. Dynamische Stromtarife reagieren auf solche Preisbewegungen häufig schneller, weil sie sich am Börsenstrompreis orientieren, während klassische Festpreisverträge Änderungen oft erst zeitverzögert abbilden.
Damit erneuerbarer Strom besser genutzt wird, reichen zusätzliche Erzeuger allein nicht aus. Entscheidend sind vor allem drei Bausteine:
Je besser diese Bausteine zusammenspielen, desto effizienter kann der Strommarkt funktionieren – und desto stabiler können sich Strompreise entwickeln.
Mehr Solarenergie sorgt dafür, dass der Strompreis in sonnenreichen Phasen weniger automatisch am Gaspreis hängt und mittags häufiger günstige Stunden entstehen. Damit dieser Vorteil dauerhaft bei Haushalten ankommt, braucht es Netzausbau, Speicher und mehr Flexibilität im Verbrauch. Wer regelmäßig Strompreise vergleicht und seine Stromkosten aktiv im Blick behält, kann von der neuen Preislogik langfristig profitieren.

Silvia Lehrack
Als Expertin für Energievergleiche beleuchtet Silvia aktuelle Trends rund um Strom, Gas und Energiekosten – praxisnah, verständlich und immer am Puls der Zeit.