Ein Stromtarif ohne Grundgebühr ist ein Vertragsmodell, bei dem keine monatlichen fixen Bereitstellungs- oder Zählergebühren anfallen. Verbraucher zahlen ausschließlich für die tatsächlich genutzten Kilowattstunden (kWh) über den Arbeitspreis.
Das kann vor allem bei sehr geringem oder unregelmäßigem Stromverbrauch sinnvoll sein. Wichtig ist aber: Ein Tarif ohne Grundgebühr ist nicht automatisch der günstigste passende Stromtarif. Entscheidend bleibt immer der jährliche Gesamtpreis.
Stromtarife ohne Grundgebühr eignen sich vor allem für Verbrauchsstellen, an denen nur selten oder sehr wenig Strom genutzt wird. Der Vorteil liegt darin, dass bei wenig Verbrauch keine laufenden monatlichen Fixkosten entstehen.
Bei Stromtarifen setzt sich der Preis meist aus zwei Bestandteilen zusammen: dem Grundpreis und dem Arbeitspreis. Der Grundpreis fällt unabhängig vom Verbrauch an. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde wird pro verbrauchter Kilowattstunde berechnet.
Bei einem Stromtarif ohne Grundgebühr entfällt zwar der feste monatliche Grundpreis. Dafür ist der Arbeitspreis pro Kilowattstunde häufig deutlich höher. Wer einen normalen Haushaltsverbrauch ab etwa 1.500 kWh im Jahr hat, sollte deshalb lieber klassische günstige Stromtarife vergleichen.
Entscheidend ist also nicht nur, ob ein Tarif eine Grundgebühr hat. Entscheidend ist, welcher Tarif über das gesamte Jahr betrachtet die niedrigsten Gesamtkosten verursacht.
| Kriterium | Klassischer Stromtarif | Tarif ohne Grundgebühr |
|---|---|---|
| Monatliche Fixkosten | Ja, z. B. 10–15 € / Monat | 0,00 € |
| Arbeitspreis pro kWh | Günstiger, z. B. 24–28 Cent | Sehr hoch, z. B. 35–45 Cent |
| Idealer Jahresverbrauch | Ab ca. 1.000 bis 1.500 kWh | Unter 500 kWh |
| Kosten bei Leerstand | Laufende Kosten trotz 0 Verbrauch | Keine laufende Grundgebühr |
Je niedriger der Jahresverbrauch ist, desto eher kann sich ein Tarif ohne Grundgebühr lohnen. Bei normalem Haushaltsverbrauch ist dagegen meist ein klassischer Tarif mit niedrigerem Arbeitspreis sinnvoller.
| Nutzerszenario | Typischer Jahresverbrauch | Tarif-Empfehlung | Strategischer Grund |
|---|---|---|---|
| Garage / Funk-Torantrieb | 10 bis 50 kWh | Ohne Grundgebühr | Fixkosten von ca. 150 € im Jahr stünden in keinem Verhältnis zum Minimalverbrauch. |
| Schrebergarten / Gartenlaube | 100 bis 300 kWh | Ohne Grundgebühr | Der hohe Arbeitspreis fällt bei diesem Verbrauch kaum ins Gewicht. Die Ersparnis durch 0 € Fixkosten in ungenutzten Monaten überwiegt häufig. |
| Ferienwohnung saisonal | 200 bis 500 kWh | Ohne Grundgebühr | Ideal, wenn die Immobilie monatelang leer steht. Bei intensiverer Nutzung, zum Beispiel mit Heizlüftern, kann der Vorteil jedoch schnell kippen. |
| Single-Haushalt mit sehr geringem Verbrauch | 800 bis 1.200 kWh | Klassischer Tarif prüfen | Hier ist die Grenze oft bereits überschritten. Ein niedrigerer Arbeitspreis mit kleiner Grundgebühr kann günstiger sein. |
| Familien-Haushalt / WG | Ab 2.500 kWh | Klassischer Tarif | Ein Tarif ohne Grundgebühr würde hier wegen des hohen Arbeitspreises meist zu deutlichen Mehrkosten führen. |
Der Verbrauch entscheidet, ob sich ein Stromtarif ohne Grundgebühr lohnt. Bei sehr niedrigem Verbrauch können die gesparten Fixkosten ein Vorteil sein. Steigt der Verbrauch jedoch deutlich an, kann der hohe Arbeitspreis schnell zur Kostenfalle werden.
Ob sich ein Stromtarif ohne Grundgebühr lohnt, hängt stark vom tatsächlichen Jahresverbrauch ab. Das folgende Beispiel zeigt den Unterschied. Die genannten Preise sind Beispielwerte zur Veranschaulichung.
Modell mit Grundgebühr: 120 € Grundpreis pro Jahr + 300 kWh × 0,28 € Arbeitspreis = 204 € pro Jahr
Modell ohne Grundgebühr: 0 € Grundpreis + 300 kWh × 0,42 € Arbeitspreis = 126 € pro Jahr
Ergebnis: Bei sehr geringem Verbrauch spart der Tarif ohne Grundgebühr in diesem Beispiel 78 € pro Jahr.
Anders sieht es bei einem normalen Haushalt mit hohem Stromverbrauch aus. Bei 3.500 kWh im Jahr kann der höhere Arbeitspreis eines grundgebührfreien Tarifs schnell deutlich teurer werden. In solchen Fällen lohnt es sich eher, direkt verschiedene Stromanbieter und klassische Stromtarife zu vergleichen.
Tarife ohne Grundgebühr sind auf dem deutschen Markt eher selten. Ein Grund dafür sind fixe Kostenbestandteile wie Netzentgelte, Messstellenbetrieb und Verwaltungsaufwand. Viele Anbieter kalkulieren diese Kosten über den Grundpreis. Fällt dieser weg, wird der Tarif häufig über einen höheren Arbeitspreis finanziert.
Stromtarife ohne Grundgebühr sollten nicht mit dynamischen Stromtarifen verwechselt werden. Bei Tarifen ohne Grundgebühr geht es vor allem darum, feste monatliche Kosten zu vermeiden. Dynamische Stromtarife funktionieren anders: Der Strompreis richtet sich dort nach den Börsenpreisen und kann sich je nach Zeitpunkt verändern.
Für die genaue Abrechnung dynamischer Stromtarife ist ein intelligentes Messsystem, also ein Smart Meter, erforderlich. Solche Tarife können vor allem für Haushalte interessant sein, die ihren Verbrauch gezielt in günstige Zeiten verschieben können, zum Beispiel mit Elektroauto, Wärmepumpe oder Batteriespeicher. Stromtarife ohne Grundgebühr richten sich dagegen eher an Minimalverbraucher.
Ein Smart Meter ist vor allem bei dynamischen Stromtarifen wichtig, weil dort der Verbrauch zeitgenau erfasst werden muss. Für einen klassischen Stromtarif ohne Grundgebühr ist dagegen vor allem entscheidend, ob der Jahresverbrauch wirklich sehr niedrig bleibt.

Alexander Schmiel
Als Experte für Strom und Gas behält Alexander die aktuellen Nachrichten und Entwicklungen zu Energie-Themen im Blick. Daraus leitet er bei PREISVERGLEICH.de wertvolle Tipps und Einordnungen der Marktlage für Nutzerinnen und Nutzer ab.