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Muss das sein? Großbritannien bekommt zwei neue AKW

03.08.2016

Foto Bei Bristol sollen zwei neue AKW entstehen.Der französische Stromkonzern EDF hat grünes Licht erhalten für ein umstrittenes Atomprojekt in Großbritannien. Dieses sieht den Neubau zweier Atomkraftwerke nahe der Stadt Bristol vor. Was hinter den AKW-Plänen steckt und welche Befürchtungen Kritiker hegen, verrät PREISVERGLEICH.de.

Paris – Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF hat grünes Licht für den heftig umstrittenen Bau zweier neuer Atomreaktoren in Großbritannien gegeben. Damit könne EDF nun die Verträge unterzeichnen, teilte das Unternehmen am Donnerstag (28. Juli) mit. Kritiker halten die Milliardeninvestition für ein Risiko.

Nukleare Sicherheit gefährdet?

Das Projekt in Hinkley Pont an der Westküste Englands soll 18 Milliarden Pfund (rund 21,5 Mrd. Euro) kosten. Rund ein Drittel soll der chinesische Partner China Nuclear Power Corporation (CGN) schultern.

„Diese Entscheidung führt das Unternehmen schnurstracks in den Bankrott und wird zu geringe Investitionen in die nukleare Sicherheit im französischen Kraftwerkspark nach sich ziehen“, kritisierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace. „Je prekärer die EDF-Lage, desto größer der Druck, auch beim Betrieb der laufenden AKW zu sparen“, fürchtete auch die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl.

Atomstrom wird wichtiger

Im März war EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob das Unternehmen die Investition stemmen kann. Kurz vor der Entscheidung über das Projekt reichte nun auch ein Mitglied des EDF-Verwaltungsrats seinen Rücktritt ein. Der Schwerpunkt des Konzerns verschiebe sich noch mehr in Richtung Kernkraft, kritisierte Gérard Magnin in seinem Rücktrittsschreiben, das die Wirtschaftszeitung „Les Échos“ am Donnerstag online veröffentlichte.

Hinkley Point C soll mit seinen beiden Reaktoren des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) sieben Prozent des britischen Strombedarfs decken. Die Inbetriebnahme ist ab 2025 angepeilt.

Offener Rechtsstreit um AKW-Bau

EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Der Konzern musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen oder zu verschieben – sie zogen auch vor Gericht, dieser Streit ist nach französischen Medienberichten noch nicht ausgefochten.

Die Pariser Regierung hatte sich aber immer wieder hinter das Projekt gestellt, sie sieht es als Aushängeschild für französisches Know-How. Die Atomindustrie des Landes steckt in einem tiefgreifenden Umbau, EDF übernimmt dabei auch das Reaktorgeschäft des defizitären Atomkonzerns Areva. Im April wurde eine Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro angekündigt.

Text: dpa/pvg

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