11.05.2026

Die akute Stromkrise mit ihren massiven Preissprüngen ist zwar überwunden, dennoch zahlen viele Haushalte weiterhin vergleichsweise hohe Strompreise. Gleichzeitig sind die Großhandelspreise an den Strombörsen deutlich gesunken und liegen teilweise sogar wieder unter dem Niveau vor der Energiekrise. Warum spiegelt sich diese Entwicklung bislang nur eingeschränkt auf Ihrer Stromrechnung wider? Und welche Rolle spielen dabei Begriffe wie EEX, EPEX Spot oder Day Ahead Preise? Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Zusammenhänge verständlich und zeigt, worauf Sie beim Vergleich moderner Stromtarife achten sollten.
Trotz des deutlichen Preisrückgangs gegenüber den Höchstständen der Energiekrise bleibt der Strommarkt weiterhin schwankungsanfällig. Kurzfristige Preisspitzen sowie politische und regulatorische Entscheidungen können die Marktentwicklung jederzeit erneut beeinflussen.
In den letzten Jahren sind die Strompreise an der Börse durch Energiekrise, Gasknappheit und geopolitische Risiken zeitweise explodiert. Inzwischen hat sich die Lage deutlich entspannt: Mehr erneuerbare Energien, gut gefüllte Gasspeicher und weniger Panik am Markt haben die Großhandelspreise spürbar gedrückt.
Trotzdem bleibt das Gefühl: „Bei mir kommt davon nichts an.“ Der Grund: Zwischen Börsenpreis und Haushaltsstromtarif liegen mehrere Stufen: von langfristigen Beschaffungsstrategien der Versorger bis zu Netzentgelten und Steuern. Genau hier setzt dieser Artikel an: Was passiert an der Börse, was bleibt beim Stromanbieter hängen und was können Sie als Verbraucher tun? Was ist neu an der Preissituation? Warum lohnt sich jetzt der Blick auf den eigenen Stromtarif?
Die EEX (European Energy Exchange) mit Sitz in Leipzig ist eine Energiebörse, an der Strom, Gas und weitere Produkte im Großhandel gehandelt werden. Man kann sie sich wie einen Großmarkt für Energie vorstellen, auf dem sich vor allem Erzeuger, Stadtwerke und Energiehändler treffen.
Ein wichtiger Teil davon ist die EPEX Spot, das ist der kurzfristige Strommarkt (Spotmarkt) für Deutschland und weitere europäische Länder. Hier wird Strom gehandelt, der sehr zeitnah geliefert wird, zum Beispiel für morgen oder noch am selben Tag.
Der Day-Ahead-Markt ist der Bereich, in dem heute der Strompreis für jede Stunde des kommenden Tages festgelegt wird. Marktteilnehmer geben Gebote ab: Stromerzeuger bieten an, zu welchem Preis sie in einer bestimmten Stunde liefern wollen, Händler und Versorger geben an, wie viel sie bereit sind zu zahlen. Aus diesen Geboten entsteht für jede Stunde ein Börsenpreis.
Der dabei entstehende Markträumungspreis ist der Preis, bei dem sich Angebot und Nachfrage gerade ausgleichen. Dieser stündliche Day-Ahead-Preis dient vielen Versorgern als Orientierung für ihren Einkauf und ist die Basis für dynamische Stromtarife.
Der Graph zeigt einen allgemeinen Anstieg der Strompreise seit 1998, mit deutlichen Sprüngen ab 2020. Die Prognosen für 2024 bis 2026 liegen deutlich unter den Spitzenwerten von 2022. Die Jahre 2020 bis 2023 sind farblich hervorgehoben, um den Anstieg zu verdeutlichen. Im Jahr 2026 liegt der durchschnittliche Strompreis bei 37,2 ct/kWh, der niedrigste Wert seit 2014. Für den typischen Nutzer ist der Strompreis unter 40 ct/kWh mit 37,2 ideal, da die Kosten sinken. Für Verbraucher mit hohem Verbrauch lohnt sich der Blick auf die Preisentwicklung, um günstige Anbieter zu finden.
In der Praxis reichen große Kraftwerksbetreiber, erneuerbare Energien-Anbieter und Händler ihre Gebote für jede Stunde des nächsten Tages ein. Die Gebote werden nach Preis sortiert, bis die erwartete Nachfrage gedeckt ist. Dieses vereinfachte Prinzip nennt man Merit-Order.
Wenn viel Wind- und Solarstrom verfügbar ist, kommen sehr günstige Gebote in den Markt. Ist die Nachfrage niedrig (zum Beispiel nachts oder an sonnigen und windreichen Feiertagen), können die Day-Ahead-Preise stark sinken, teilweise sogar ins Negative. Negative Preise bedeuten: Erzeuger zahlen in der Spitze dafür, ihren Strom einspeisen zu dürfen, etwa um Anlagen nicht abregeln zu müssen.
| Begriff | Kurz erklärt | Relevanz für Haushalte |
|---|---|---|
| EEX | Europäische Energiebörse für Strom, Gas etc. | Bestimmt den Einkaufspreis im Großhandel mit |
| EPEX Spot | Kurzfristiger Strommarkt (Spotmarkt) | Grundlage für viele Preissignale |
| Day-Ahead | Handel von Strom für den nächsten Tag, stündlich | Basis für dynamische Stromtarife |
| Markträumung | Preis, bei dem Angebot und Nachfrage zusammenpassen | Referenz für Börsenstrompreise |
Die Börsenstrompreise sind nach den Spitzen der Energiekrise deutlich gesunken. In vielen Stunden liegen die Day-Ahead-Preise wieder im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich je Megawattstunde, teilweise treten sogar wieder häufiger negative Preise auf. Das bedeutet: Strom ist im Großhandel deutlich günstiger als während der Krisenjahre.
Auf Ihrer Rechnung sehen Sie das aber nicht eins zu eins. Viele Haushaltsverträge wurden zu Zeiten abgeschlossen, als die Großhandelspreise noch sehr hoch waren. Außerdem kaufen die meisten Versorger Strom nicht ausschließlich kurzfristig an der Börse, sondern sichern sich über länger laufende Verträge ab. Das glättet zwar Extreme, sorgt aber auch dafür, dass Preissenkungen verzögert ankommen.
Der Haushaltsstrompreis setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Der Großhandelspreis ist nur einer von ihnen. Hinzu kommen Netzentgelte, Steuern, Abgaben und die Marge des Stromanbieters.
Viele Versorger beschaffen Strom über längere Zeiträume, um starke Preisschwankungen abzufedern. Das heißt: Selbst wenn die Day-Ahead-Preise heute schon deutlich niedriger sind, stecken im Portfolio des Anbieters noch teurere Einkäufe aus der Krisenzeit. Entsprechend brauchen klassische Stromtarife oft eine Weile, bis sie sinkende Großhandelspreise vollständig widerspiegeln.
| Preisbestandteil | Typischer Anteil am Endpreis | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Energieeinkauf (Börse) | ca. 30–40% | Großhandel, langfristige Absicherung |
| Netzentgelte | ca. 20–25% | Nutzung der Übertragungs- und Verteilnetze |
| Steuern & Abgaben | ca. 30–35% | z. B. Stromsteuer, Mehrwertsteuer |
| Umlagen & sonstige Kosten | Rest | Messkosten, Vertrieb, Marge Anbieter |
Die genauen Prozentsätze variieren je nach Tarif und Versorger, zeigen aber: Selbst, wenn der reine Energieeinkauf günstiger wird, bleibt der Gesamtpreis durch Netzentgelte, Steuern und Abgaben relativ hoch.
Gerade weil die Großhandelspreise inzwischen deutlich niedriger sind als zu den Spitzen der Energiekrise, lohnt sich ein Blick auf den eigenen Stromvertrag. Liegt Ihr Arbeitspreis noch auf einem Niveau, das klar über aktuellen Neuangeboten liegt, kann ein Wechsel des Stromanbieters bares Geld sparen.
Beim Stromtarif-Vergleich sollten Sie nicht nur auf den günstigsten Preis schauen, sondern auch auf Vertragslaufzeit, Preisgarantie, faire Bedingungen und die Seriosität des Anbieters. Ein ausgewogener Tarif ist langfristig oft besser als ein extrem billiges, aber riskantes Lockangebot.
Achten Sie auf Tarife, deren Arbeitspreis deutlich unter Ihrem aktuellen Altpreis liegt und erst vor Kurzem gesenkt wurde. Ideal wäre dies mit kurzer Laufzeit und fairer Kündigungsfrist, damit Sie später erneut wechseln können.
Neben klassischen Stromtarifen tauchen zunehmend dynamische Stromtarife auf, die direkt an die Day-Ahead-Preise der EPEX Spot gekoppelt sind. Der Strompreis ändert sich dort stündlich, genau wie an der Börse. Verbraucher sehen die Preiskurve meist in einer App und können ihren Verbrauch an günstige Stunden anpassen.
Solche Modelle setzen meist einen modernen Zähler (Smart Meter oder moderne Messeinrichtung) voraus und lohnen sich vor allem für Haushalte mit flexiblen, größeren Verbrauchern wie E-Auto, Wärmepumpe oder Batteriespeicher. Wer bereit ist, seinen Verbrauch bewusst zu steuern, kann so gezielt in Zeiten hoher Wind- und Solarproduktion Strom nutzen und Kosten sparen.
Dynamische Tarife bieten Chancen, bergen aber auch Risiken. Sie können besonders attraktiv sein, wenn Sie große Verbraucher zeitlich verschieben können, etwa das Laden des E-Autos in die Nachtstunden oder die Waschmaschine in Phasen mit niedrigen Börsenpreisen.
Gleichzeitig müssen Sie Preisspitzen im Blick behalten: Wenn es wenig erneuerbare Einspeisung und hohe Nachfrage gibt, können die Preise kurzfristig stark steigen. Wer sich damit nicht regelmäßig beschäftigen möchte, ist mit einem guten, klassischen Stromtarif oft besser bedient.
Die Großhandelspreise an der EEX und die Day-Ahead-Preise an der EPEX Spot sind deutlich gefallen: ein wichtiges Signal, dass sich der Strommarkt nach der Krise beruhigt hat. Dass diese Entspannung nicht automatisch auf der Stromrechnung ankommt, liegt an Beschaffungsstrategien, Netzkosten und staatlichen Preisbestandteilen.
Verbraucher können trotzdem profitieren: Wer seinen Stromtarif aktiv prüft, günstige Neuangebote bei seriösen Stromanbietern nutzt und auf faire Vertragsbedingungen achtet, hat gute Chancen auf eine niedrigere Rechnung. Dynamische Stromtarife sind eine spannende Ergänzung, insbesondere für Haushalte mit Smart Meter und flexiblen Verbrauchern. Sie ersetzen aber klassische gute Tarife nicht, sondern erweitern das Spielfeld um neue Möglichkeiten zum Strom sparen.
Quellen: Bundesnetzagentur | smard.de | Frauenhofer Institut | European Energy Exchange AG

Alexander Schmiel
Als Experte für Strom und Gas behält Alexander die aktuellen Nachrichten und Entwicklungen zu Energie-Themen im Blick. Daraus leitet er bei PREISVERGLEICH.de wertvolle Tipps und Einordnungen der Marktlage für Nutzerinnen und Nutzer ab.
Rohdaten für den durchschnittlichen Strompreis für einen Haushalt in ct/kWh
| Jahr | Strompreis (ct/kWh) |
|---|---|
| 1998 | 17.11 |
| 1999 | 16.53 |
| 2000 | 13.94 |
| 2001 | 14.32 |
| 2002 | 16.11 |
| 2003 | 17.19 |
| 2004 | 17.96 |
| 2005 | 18.66 |
| 2006 | 19.46 |
| 2007 | 20.64 |
| 2008 | 21.65 |
| 2009 | 23.21 |
| 2010 | 23.69 |
| 2011 | 25.23 |
| 2012 | 25.89 |
| 2013 | 28.84 |
| 2014 | 29.14 |
| 2015 | 28.70 |
| 2016 | 28.80 |
| 2017 | 29.28 |
| 2018 | 29.47 |
| 2019 | 30.46 |
| 2020 | 31.18 |
| 2021 | 32.83 |
| 2022 | 46.27 |
| 2023 | 47.01 |
| 2024 | 40.20 |
| 2025 | 39.70 |
| 2026 | 37.20 |