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Preisparadox: Strom wird teurer, trotz genug Energie

Bild zeigt eine Glühbirne, Euro-Scheine (100er und 200er) sowie Münzen auf einer dunklen Oberfläche, ergänzt durch Textelemente

Die Strompreise in Deutschland und Europa ziehen aktuell wieder an, doch anders als viele vermuten, liegt das nicht an einem Mangel an Strom. Im Gegenteil: Immer häufiger ist ausreichend Energie vorhanden, insbesondere aus erneuerbaren Quellen. Dennoch steigen die Kosten für Verbraucher. Der Grund liegt in einem Zusammenspiel aus Marktmechanismen und strukturellen Problemen im Stromnetz.

Das Wichtigste im Überblick

  • Strompreise steigen trotz hoher Erzeugung aus erneuerbaren Energien.
  • Gas bestimmt weiterhin den Strompreis (Merit-Order-Prinzip).
  • Netzausbau hinkt hinterher: der Strom wird teilweise nicht genutzt.
  • Marktmechanik und Infrastruktur treiben Kosten für Verbraucher.

Warum Strom teurer wird, obwohl erneuerbare Energien günstig sind

Ein zentraler Faktor ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip. Dabei bestimmt das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Strompreis und das sind häufig Gaskraftwerke. Steigen die Kosten für Gas, wirkt sich das direkt auf den Strompreis aus, selbst wenn ein großer Teil des Stroms günstiger erzeugt wird.

Aktuelle Marktbeobachtungen zeigen, dass die Strompreise zuletzt deutlich gestiegen sind. Besonders bei neuen Verträgen müssen Verbraucher mit höheren Kosten rechnen. Bestehende Verträge bleiben oft zunächst stabil, könnten aber mittelfristig ebenfalls betroffen sein.

Der Gesamtabgleich zeigt einen deutlichen Anstieg des durchschnittlichen Strompreises in ct/kWh von 30,335 im Jahr 2018 auf 37,320 im Jahr 2026. Im Jahr 2026 sind Beschaffung und Vertrieb mit 15,4 ct/kWh der größte Kostenfaktor, bei den Nebenkosten ist es die Offshore-Netzumlage mit 9,3 ct/kWh. Die Mehrwertsteuer macht 5,95 ct/kWh aus. Der stärkste Anstieg betrifft die Umlage für abschaltbare Lasten, die 2026 bei 7,51 ct/kWh liegt. Für Verbraucher ist ein Anbieterwechsel sinnvoll, um 2026 höheren Beschaffungskosten durch einen guten Tarif entgegenzuwirken.

↓ Messdaten & Methodik

Zu viel Strom und trotzdem ein Problem

Parallel dazu entsteht ein zweites, weniger bekanntes Problem: In Deutschland wird immer häufiger Strom aus erneuerbaren Energien nicht genutzt. Vor allem bei starker Sonneneinstrahlung oder viel Wind produzieren Anlagen mehr Energie, als das Stromnetz aufnehmen kann.

Die Folge: Anlagen müssen zeitweise abgeschaltet werden, das sogenannte „Abregeln“. Dieser überschüssige Strom geht verloren, obwohl er eigentlich günstig zur Verfügung stehen würde.

  • Solaranlagen speisen nicht vollständig ins Netz ein
  • Windkraft wird bei Netzengpässen heruntergefahren
  • Netzausbau kommt nicht schnell genug voran

Diese Ineffizienz verursacht zusätzliche Kosten, die letztlich über Netzentgelte und Umlagen auch bei Verbrauchern ankommen können.

Zwischen Überangebot und Kostenanstieg: Die Lage für Verbraucher

Für Haushalte ergibt sich daraus eine komplexe Situation: Strompreise steigen, obwohl gleichzeitig günstige Energie vorhanden ist. Die Entwicklung zeigt, dass nicht nur die Erzeugung, sondern vor allem die Infrastruktur eine entscheidende Rolle spielt.

  • Preissteigerungen bei neuen Stromverträgen möglich
  • bestehende Verträge könnten langfristig angepasst werden
  • regionale Unterschiede bei Netzbelastung denkbar

Ein regelmäßiger Blick auf den eigenen Stromtarif und die Vertragsbedingungen kann helfen, auf Veränderungen vorbereitet zu sein.

Ein System im Wandel

Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich, dass sich der Strommarkt in einer Übergangsphase befindet. Während erneuerbare Energien weiter ausgebaut werden, hinkt die Infrastruktur hinterher. Gleichzeitig sorgt die Kopplung an Gaspreise weiterhin für hohe Preisschwankungen.

Langfristig dürfte sich der Strommarkt weiter verändern – etwa durch Netzausbau, neue Speicherlösungen und mögliche Reformen der Preisbildung. Kurzfristig bleibt die Lage jedoch angespannt und für Verbraucher schwer vorhersehbar.

Quellen: FOCUS | taz | PV Magazine | BDEW

Rohdaten

Jahr Kategorie Wert (ct/kWh)
2026 Beschaffung, Vertrieb 15.4
2026 Netzentgelt inkl. Messung und Messstellenbetrieb 9.3
2026 Mehrwertsteuer 5.95
2026 Konzessionsabgabe 1.67
2026 EEG-Umlage* 0
2026 KWK-Aufschlag 0.45
2026 §19 StromNEV-Umlage 1.56
2026 Offshore-Netzumlage 0.94
2026 Umlage f. abschaltbare Lasten 0
2026 Stromsteuer 2.05
2025 Beschaffung, Vertrieb 16.12
2025 Netzentgelt inkl. Messung und Messstellenbetrieb 10.96
2025 Mehrwertsteuer 6.35
2025 Konzessionsabgabe 1.67
2025 EEG-Umlage* 0
2025 KWK-Aufschlag 0.28
2025 §19 StromNEV-Umlage 1.56
2025 Offshore-Netzumlage 0.82
2025 Umlage f. abschaltbare Lasten 0
2025 Stromsteuer 2.05
2024 Beschaffung, Vertrieb 17.09
2024 Netzentgelt inkl. Messung und Messstellenbetrieb 11.42
2024 Mehrwertsteuer 6.42
2024 Konzessionsabgabe 1.67
2024 EEG-Umlage* 0
2024 KWK-Aufschlag 0.275
2024 §19 StromNEV-Umlage 0.643
2024 Offshore-Netzumlage 0.656
2024 Umlage f. abschaltbare Lasten 0
2024 Stromsteuer 2.05