25.03.2026

Die Strompreise in Deutschland und Europa ziehen aktuell wieder an, doch anders als viele vermuten, liegt das nicht an einem Mangel an Strom. Im Gegenteil: Immer häufiger ist ausreichend Energie vorhanden, insbesondere aus erneuerbaren Quellen. Dennoch steigen die Kosten für Verbraucher. Der Grund liegt in einem Zusammenspiel aus Marktmechanismen und strukturellen Problemen im Stromnetz.
Ein zentraler Faktor ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip. Dabei bestimmt das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Strompreis und das sind häufig Gaskraftwerke. Steigen die Kosten für Gas, wirkt sich das direkt auf den Strompreis aus, selbst wenn ein großer Teil des Stroms günstiger erzeugt wird.
Aktuelle Marktbeobachtungen zeigen, dass die Strompreise zuletzt deutlich gestiegen sind. Besonders bei neuen Verträgen müssen Verbraucher mit höheren Kosten rechnen. Bestehende Verträge bleiben oft zunächst stabil, könnten aber mittelfristig ebenfalls betroffen sein.
Der Gesamtabgleich zeigt einen deutlichen Anstieg des durchschnittlichen Strompreises in ct/kWh von 30,335 im Jahr 2018 auf 37,320 im Jahr 2026. Im Jahr 2026 sind Beschaffung und Vertrieb mit 15,4 ct/kWh der größte Kostenfaktor, bei den Nebenkosten ist es die Offshore-Netzumlage mit 9,3 ct/kWh. Die Mehrwertsteuer macht 5,95 ct/kWh aus. Der stärkste Anstieg betrifft die Umlage für abschaltbare Lasten, die 2026 bei 7,51 ct/kWh liegt. Für Verbraucher ist ein Anbieterwechsel sinnvoll, um 2026 höheren Beschaffungskosten durch einen guten Tarif entgegenzuwirken.
Parallel dazu entsteht ein zweites, weniger bekanntes Problem: In Deutschland wird immer häufiger Strom aus erneuerbaren Energien nicht genutzt. Vor allem bei starker Sonneneinstrahlung oder viel Wind produzieren Anlagen mehr Energie, als das Stromnetz aufnehmen kann.
Die Folge: Anlagen müssen zeitweise abgeschaltet werden, das sogenannte „Abregeln“. Dieser überschüssige Strom geht verloren, obwohl er eigentlich günstig zur Verfügung stehen würde.
Diese Ineffizienz verursacht zusätzliche Kosten, die letztlich über Netzentgelte und Umlagen auch bei Verbrauchern ankommen können.
Für Haushalte ergibt sich daraus eine komplexe Situation: Strompreise steigen, obwohl gleichzeitig günstige Energie vorhanden ist. Die Entwicklung zeigt, dass nicht nur die Erzeugung, sondern vor allem die Infrastruktur eine entscheidende Rolle spielt.
Ein regelmäßiger Blick auf den eigenen Stromtarif und die Vertragsbedingungen kann helfen, auf Veränderungen vorbereitet zu sein.
Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich, dass sich der Strommarkt in einer Übergangsphase befindet. Während erneuerbare Energien weiter ausgebaut werden, hinkt die Infrastruktur hinterher. Gleichzeitig sorgt die Kopplung an Gaspreise weiterhin für hohe Preisschwankungen.
Langfristig dürfte sich der Strommarkt weiter verändern – etwa durch Netzausbau, neue Speicherlösungen und mögliche Reformen der Preisbildung. Kurzfristig bleibt die Lage jedoch angespannt und für Verbraucher schwer vorhersehbar.
Quellen: FOCUS | taz | PV Magazine | BDEW
Rohdaten
| Jahr | Kategorie | Wert (ct/kWh) |
|---|---|---|
| 2026 | Beschaffung, Vertrieb | 15.4 |
| 2026 | Netzentgelt inkl. Messung und Messstellenbetrieb | 9.3 |
| 2026 | Mehrwertsteuer | 5.95 |
| 2026 | Konzessionsabgabe | 1.67 |
| 2026 | EEG-Umlage* | 0 |
| 2026 | KWK-Aufschlag | 0.45 |
| 2026 | §19 StromNEV-Umlage | 1.56 |
| 2026 | Offshore-Netzumlage | 0.94 |
| 2026 | Umlage f. abschaltbare Lasten | 0 |
| 2026 | Stromsteuer | 2.05 |
| 2025 | Beschaffung, Vertrieb | 16.12 |
| 2025 | Netzentgelt inkl. Messung und Messstellenbetrieb | 10.96 |
| 2025 | Mehrwertsteuer | 6.35 |
| 2025 | Konzessionsabgabe | 1.67 |
| 2025 | EEG-Umlage* | 0 |
| 2025 | KWK-Aufschlag | 0.28 |
| 2025 | §19 StromNEV-Umlage | 1.56 |
| 2025 | Offshore-Netzumlage | 0.82 |
| 2025 | Umlage f. abschaltbare Lasten | 0 |
| 2025 | Stromsteuer | 2.05 |
| 2024 | Beschaffung, Vertrieb | 17.09 |
| 2024 | Netzentgelt inkl. Messung und Messstellenbetrieb | 11.42 |
| 2024 | Mehrwertsteuer | 6.42 |
| 2024 | Konzessionsabgabe | 1.67 |
| 2024 | EEG-Umlage* | 0 |
| 2024 | KWK-Aufschlag | 0.275 |
| 2024 | §19 StromNEV-Umlage | 0.643 |
| 2024 | Offshore-Netzumlage | 0.656 |
| 2024 | Umlage f. abschaltbare Lasten | 0 |
| 2024 | Stromsteuer | 2.05 |