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Strom per Prepaid herzlos und unsozial

(Bild) Stromtarif PrepaidDie Guthabenkarte („Prepaid“) vom Handy ist jedem bekannt, doch nun soll es das Modell auch für den Stromtarif geben. Die Maßnahme ist Gegenstand der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD und soll Stromsündern das Handwerk legen.

Wer in der Vergangenheit seine Stromrechnung nicht bezahlen konnte, soll zukünftig eine Guthabenkarte für den Energieverbrauch erhalten. Das zur Verfügung stehende Guthaben ermöglicht dann soviel Strom, bis der jeweilige Geldbeitrag erschöpft ist, ganz so, wie man es vom Prepaid-Handy kennt. Union und SPD erhoffen sich davon, die Schulden bei Verbrauchern besser kontrollieren zu können. Außerdem könne so ein sinnvollerer Stromverbrauch erlernt werden.

Guthabenkarte für Strom ist herzlos

Führende Größen der deutschen Energiebranche beäugen die Regierungspläne jedoch mit großer Skepsis. Geschäftsführer der ExtraEnergie GmbH Samuel Schmidt sagt, die Guthabenkarte für den Strom wird das Problem der Energiearmut nur noch verschärfen. Schmidt beruft sich dabei auf Erfahrungen, die er als Energie-Manager in Großbritannien gemacht hat. Es könne niemand wollen, so Schmidt weiter, dass letztlich ganze Stadtviertel im Dunkeln liegen, weil das Stromguthaben sozial benachteiligte Verbraucher nicht ausreiche. Für den Strom-Boss sei die Idee der Vorauskasse-Stromzähler daher herzlos, unüberlegt und zeuge von Unkenntnis.

Regelmäßiges Licht-Aus in England

Ein Blick auf die Grüne Insel bestätigt die Kritik teilweise. Obwohl Großbritannien ein wohlhabendes Land ist, gibt es zahlreiche Haushalte, die tagelang ohne Strom auskommen müssen. Grund dafür ist die automatische Sperrung des Stromanschluss, sobald das Guthaben für den Strom verbraucht ist. Viele Verbraucher können aber gar nicht abschätzen, wie hoch der Stromverbrauch einzelner Geräte ist und selbst sparsamer Umgang mit Strom schützt nicht davor, dass irgendwann das Licht ausgeht. In England stehen darum einige Haushalte regelmäßig im Dunkeln. Besonders jetzt im Winter wird dies äußerst kritisch, da dann der Stromverbrauch plötzlich doppelt so hoch ist. Greift dann die automatische Sperre, fallen mitunter auch Heizungen und warmes Wasser aus. Doch die Guthabenkarte einfach wieder aufladen, ist dann nicht so schnell möglich. Die Verbraucher im Dunkeln stehen zu lassen, kann auch kaum sozial genannt werden: In Deutschland wären derzeit mehr als 300.000 Haushalte betroffen; vor allem Familien, Alleinerziehende mit mehreren Kindern sowie ältere Menschen.

Energiearmut angemessen bekämpfen

Statt der Prepaid bzw. Guthabenkarte auf Strom, müsste die Bundesregierung weniger oberflächliche Maßnahmen ergreifen, um der Energiearmut zu begegnen. Beispielsweise könnte man den Hartz IV Regelsatz an die Energiekosten koppeln und Betroffenen eine Energiesparberatung oder einen Stromanbieterwechsel nahelegen. Gleichfalls hilfreich wäre es, wenn sich die Bundesregierung durchringt, die Umlagen auf den Strompreis zu begrenzen. So würde der Stromtarif nicht ungebremst durch die Decke schießen, sondern auch ein erträgliches Maß begrenzt werden. Das Ergebnis muss letztlich sein, deutsche Haushalte wieder in die Lage zu bringen, den Strom überhaupt bezahlen zu können. Gerade in einer Zeit, in der man ohne elektrische Energie nicht mehr auskommt, wäre alles andere ein Einschnitt in die Würde des Menschen.

ExtraEnergie GmbH führt Sozialtarif ein

Zumindest Samuel Schmidt hat für seinen Teil bereits Initiative ergriffen und zeigt gesellschaftliche Verantwortung. Seine Firma kündigt an, demnächst Sozialtarife einzuführen. Mit diesen können alle Verbraucher, die eine GEZ-Befreiung haben, einen zusätzlichen Stromrabatt erhalten. Ab 2014 soll das neue Angebot der Neusser ExtraEnergie GmbH bereitstehen.